«Aktive Teilhabe» – Handlungsstrategien zur Bekämpfung von Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft

Das Projekt bietet Akteuren aus türkischen, kurdischen, arabischen, ex-jugoslawischen und russischsprachigen Communities in Berlin die Möglichkeit, sich selbstbewusst den Herausforderungen im Alltag zu stellen, die Homo- und Transphobie, Sexismus und Rassismus darstellen. Dabei sollen die besonderen Stärken der Migrant_innen-Selbstorganisationen eingebunden werden. Der Prozess wird begleitet und aktiv mitgestaltet von LGBTT*-Personen aus den jeweiligen Communities. Die Partizipation der unterschiedlichen Akteure soll zu einem einen sichereren Umgang sowie eine aktive Stellungnahme zu Diskriminierung und Gewaltfällen ermöglichen und zum anderen eine Auseinandersetzung innerhalb der eigenen Community fördern. „Aktive Teilhabe “ wurde vom GLADT e.V. konzipiert und wird mit Mitteln aus dem Europäischen Integrationsfond finanziert. Das Projekt hat im März dieses Jahres begonnen und läuft bis März 2011.

Hintergrund

In den letzten Jahren beherrschen Debatten um sexistische und homophobe Migrant_innen den Diskurs über Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit in Deutschland insgesamt. Aus denselben Debatten sind Migrant_innen in der Regel ausgeschlossen und fühlen sich häufig zu Unrecht in die Ecke gestellt, denn es scheint, dass v.a. türkeistämmige und russischsprachige Einwanderer diese Phänomene nach Deutschland „importieren“. In der Realität aber, sind Sexismus und Homophobie gesamtgesellschaftliche Ausschlussmechanismen. Die Benachteiligung, Ausgrenzung und oft genug auch Gewalt, die sie veranlassen, werden nicht dadurch verschwinden, dass sie bestimmten Migrant_innen-Communities zugeschrieben werden. Bisher haben sich Migrant_innen-Organisationen vor allem mit Rassismus, Homosexuellen-Organisationen vor allem mit Homophobie auseinandergesetzt. Das Einstehen für die Probleme der jeweils „Anderen“ und die Sensibilität für die Komplexität und die gegenseitige Bedingtheit dieser Phänomene fehlt. In den politischen, medialen und zivilgesellschaftlichen Debatten knistert es deswegen immer dann, wenn die Rede ist von „Opfern“, die zu „Tätern“ werden, wenn also zum Beispiel jugendliche oder erwachsene Migrant_innen sich sexistisch oder homophob äußern oder verhalten – oder wenn es in lesbischen/schwulen Szenen rassistische Ausschlüsse gibt.

Ansatz

Eine erfolgreiche Antidiskriminierungsarbeit fordert ein mehrdimensionales Herangehen; in der Verwaltung, in der Politik, aber auch in der Zivilgesellschaft. Eine entscheidende Möglichkeit zur gelebten Akzeptanz bietet dabei Migranten_innen-Selbstorganisationen (MSO) in den unterschiedlichen Communities von Berlin. Sie verfügen über wichtige Zugangswege und haben vor allem für neu zuwanderte Personen einen sehr hohen Stellenwert. Die Partizipation dieser Organisationen bringt auch im Bezug auf stark beladene Themenkomplexe wie Sexismus und Homophobie neue Möglichkeiten mit. Was sind die Besonderheiten von Homophobie und Sexismus innerhalb russischsprachiger Communities? – diese und ähnliche Fragen sollten „von innen“ beantwortet werden. Nur durch eine gemeinsame Problemartikulation wird man effektive Handlungsstrategien erarbeiten können, und somit eine langfristige Veränderung bewirken.

Gemeinsame Bedarfsanalyse – spezifische Lösungen

Zusammen mit den beteiligten Akteuren werden communityspezifische Probleme und Defizite im Bezug auf die Komplexe Homo- und Transphobie, Sexismus und Rassismus herausgearbeitet. Die Besonderheiten der Problematik werden in methodischen Workshops konkretisiert.

Es entstehen…

  • Niedrigschwelliges Aufklärungsmaterial in verschiedenen Sprachen
  • Handouts zur Sensibilisierungsarbeit innerhalb der jeweiligen Community
  • Eine mehrsprachige Website, auf der auch bereits vorhandene Ressourcen gebündelt werden (wie z.B. Broschüren auf Russisch, Aufkleber auf Arabisch, Bücher auf Kurdisch etc.).

Hier finden Sie eine Projektbeschreibung als PDF

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds und durch die Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung bei der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

EU BAMF SenIAS LADS