«Gemeinsam für Akzeptanz»

Mariannenplatz gegen Lesben-, Schwulen- und Trans-Feindlichkeit

Am Mariannenplatz läuft seit März 2010 das Projekt «Gemeinsam für Akzeptanz», bei dem es um die Bearbeitung von Trans- und Homophobie geht. Gemeinsam mit Fachkräften aus Kindergärten und Schulen, aus der Jugendarbeit, der Eltern und Senior_innen-Arbeit und Gewerbetreibenden werden bis Ende 2011 innovative Wege entwickelt, die weit über das Quartiersmanagementgebiet hinaus einsetzbar sein sollen. Flankiert wird die Arbeit mit einzelnen Zielgruppen durch eine Kampagne, die die lokale Öffentlichkeit sensibilisieren soll. Das Projekt wird vom Quartiersmanagement Mariannenplatz finanziert, die Laufzeit ist vom 01. März 2010 – 31. Dezember 2011.

Projektbeschreibung:

An- und Übergriffe auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten besorgen nicht nur Lesben, Schwule und Trans*-Personen, sondern zunehmend auch viele zivilgesellschaftliche Akteure. Bisher fehlen allerdings in ganz Berlin integrierte Konzepte für sozialraum-orientierte Bearbeitung dieser Phänomene. Das Quartiersmanagementgebiet Mariannenplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Szene-Orten von Lesben und Schwulen, aber auch wichtigen Frauen-Einrichtungen. Aufgrund der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung kommt der Thematisierung insbesondere von sexistischer und homophober Gewalt, die von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeht, eine außerordentlich wichtige Funktion zu.

Die Schaffung von Akzeptanz und Anerkennung unterschiedlicher Lebensentwürfe und Lebensweisen ist – gerade im Gemeinwesen, wo alltägliche Begegnung wie tägliche Ignoranz auf der Tagesordnung stehen – wesentlich an Gegenseitigkeit geknüpft; sie kann nur dann erfolgreich funktionieren, wenn sie an den Lebens- und Alltagsrealitäten der Bevölkerung orientiert ist.

Aus diesem Grund besteht unser Projekt «Gemeinsam für Akzeptanz – Mariannenplatz gegen Lesben-, Schwulen- und Trans-Feindlichkeit» aus 5 Modulen, in denen mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammengearbeitet wird. Dabei werden wir mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

  • Die Problemanalyse erfolgt mit lokalen Akteuren und baut auf vorhandenen Ressourcen auf (z.B. räumliche, personelle Infrastruktur, Kapazitäten und Interessen der lokalen Akteure etc.).

  • Inklusion: unterschiedliche Gruppen im Gebiet werden zielgruppenspezifisch angesprochen und eingebunden (z.B. Frauen/Männer, unterschiedliche Altersgruppen, Migrant_innen und Nicht-Migrant_innen, Gewerbetreibende, soziale Einrichtungen bzw. Jugendprojekte etc.).

  • Fokus (Homophobie) und Kontextualisierung (z.B. eigene Diskriminierungserfahrungen, geschlechterreflektierende Analyse und Lösungsstrategien).

  • Koordiniertes Vorgehen zur positiven Beeinflussung des lokalen Klimas.

Die dafür erforderlichen Aktionsformen werden gemeinsam entwickelt, jedes Modul wird zielgruppenspezifische Inhalte und Methoden haben:

Modul 1: Kita/Frühkindliche Prävention

Dieses Modul wird in Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften stattfinden. Es hat das Ziel, praxisnahes und bedarfsgerechtes Material für die Arbeit mit Kindern bis sechs Jahre zu entwickeln, durchzuführen und zu verschriftlichen.

Modul 2: Jugend-Prävention

Im Modul 2 geht es um die Realisierung geschlechterreflektierender Ansätze in der Arbeit vor allem mit Jungen, um die Sensibilisierung bezüglich Homophobie, den Abbau von Vorurteilen und die Prävention von Gewalt. In diesem Sinne wird es Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zu geschlechterreflektierender Arbeit mit Jugendlichen geben, ebenso wie Workshops mit Jugendlichen.

Modul 3: Zusammenarbeit mit Eltern

In der Zusammenarbeit mit Eltern wird es vor allem darum gehen, in geschlechterhomogenen Väter-/Müttergruppen mit den Eltern zu den Themen Homosexualität/Homophobie zu arbeiten und Workshops mit ihnen durchzuführen. In den Workshops geht es um die grundlegende Aufklärung und Sensibilisierung der Eltern zu Fragen von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (Sexualität/Geschlechtsidentität von Jugendlichen in der Pubertät, gesellschaftlicher Umgang mit Homosexualität Anderer).

Modul 4: Senior_innen-Arbeit

Dieses Modul hat als Inhalt, Senior_innen in den Themen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität grundlegend aufzuklären und zu sensibilisieren. Die Zielsetzung dabei ist, ihr Potenzial als Großeltern für die Erziehung von Kinder/Jugendlichen nutzbar zu machen.

Modul 5: Gewerbetreibende/Unternehmen

Im Modul 5 werden Fortbildungen für Gewerbetreibende und Unternehmer_innen zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und zur Implementierung von Diversity-Gedanken durchgeführt. Das Ziel ist der Abbau von Diskriminierungen im Gewerbebereich, die Verankerung von Gleichheitsvorstellungen und die erhöhte Repräsentation von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in Unternehmen.

Neben den 5 Modulen wird es im Rahmen des Projekts auch Aktionen im öffentlichen Raum und eine Kampagne geben. Diese Aktionen beziehen Anwohner_innen, Gewerbetreibende und Menschen, die im Gebiet arbeiten, mit ein und es wird gemeinsam ein Konzept entwickelt, um ein sichtbares Zeichen gegen Trans- und Homophobie im Gebiet zu setzen. Darüber hinaus wird eine Kampagne zur Erhöhung der Sichtbarkeit nicht-heterosexueller Lebensweisen und als Bekenntnis zu Diversity durchgeführt. Ziel der Aktionen ist der Abbau von Diskriminierung, ebenso wie Empowerment und Repräsentation von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten.

 

 

Aktuelles bei «Gemeinsam für Akzeptanz»:

Modul 1: Kita/Frühkindliche Prävention

Im Rahmen dieses Moduls haben wir 2010 eine Bestandsaufnahme in den Kindertageseinrichtungen rund um den Mariannenplatz durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wie der Umgang mit Diskriminierungen und Gewalt in den Einrichtungen ist. Ebenso wollten wir wissen, inwiefern Spiele, Spielzeuge, Lieder, Bücher und Aktivitäten vorhanden sind, die verschiedene Lebensrealitäten thematisieren.

Im Anschluß an die Auswertung der Bestandsaufnahme gab es Mitte Juni 2010 im AWO-Begegnungszentrum eine Gesprächsrunde mit Vertreter_innen der befragten Kindereinrichtungen. In dieser wurden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme vorgestellt und der weitere Verlauf der Moduldurchführung gemeinsam besprochen.

Ein Ergebnis der Bestandsaufnahme ist, dass es bei den Themen „Vielfalt von Geschlecht und Familien“ einen großen Bedarf an zusätzlichem Material gibt. Das gleiche Ergebnis gilt für den Bereich „Unterschiedliche Lebensrealitäten“. Ende September haben wir für die Kitas im Gebiet eine Bücherliste fertig gestellt, in der zahlreiche Bücher aufgeführt sind, die unterschiedliche Lebensweisen abbilden. Die beschriebenen Bücher sind geeignet für Kinder von 2-6 Jahren und werden ab Oktober in den Kitas im QM-Gebiet Mariannenplatz verteilt. Als „Special“ wird zusammen mit den Listen ein Exemplar des Kinderbuches „Unsa Haus“ verteilt, welches uns die Herausgeber_innen des No-No-Verlags kostenlos zur Verfügung stellen.

Im Rahmen von «Gemeinsam für Akzeptanz» ist nun die 2. Auflage der beliebten Kinderbuchliste zu unterschiedlichen Lebensweisen für die Altersstufen 2-6 Jahre entstanden.

Die Liste steht hier zum Download bereit.

 

Ein weiteres Ergebnis der Bestandsaufnahme ist, dass es seitens der Erzieher_innen Fortbildungsbedarf zu unterschiedlichen Themen wie Geschlechterrollen, Regenbogenfamilien, Homosexualität, Trans*-Identitäten, Auswirkungen von Diskriminierungen und Religion gibt. Auch hinsichtlich dieser Bedürfnisse arbeiten wir im Rahmen des Projekts weiterhin mit den Sozialpädagog_innen zusammen.

Aktuell erstellen wir eine Broschüre für die Kitas zu diskriminierungsfreien Gestalten von Kitas.



Modul 2: Jugend-Prävention

Im Rahmen des Moduls Jugend wurden schon mehrere Workshops mit Mädchen- und Jungengruppen des Familienzentrums durchgeführt, die auf große Begeisterung sowohl seitens der Gruppenleiter_innen als auch der jungen Menschen stoßen. Mit allen Gruppen gab es eine mehrmalige Zusammenarbeit.

Mit einer Mädchentanzgruppe haben wir zusammen einen Tanz einstudiert, der beim Einweihungsfest des Familienzentrums am 26. Mai 2011 vorgeführt wird.

Darüber hinaus gibt es mit allen Grundschulen im Gebiet ein rege Zusammenarbeit:

Heinrich-Zille Grundschule

In Kooperation mit Reach Out wurde von uns ein Elternabend zum Thema „Mobbing in Schulen“ durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit Lehrer_innen der Schule wurde 3 Workshops geplant und durchgeführt. Diese Workshops wurden in drei Klassen an mehreren Tagen á 3 Stunden durchgeführt. Inhalte dieser Workshops war es, methodisch und spielerisch die Themen Diskriminierungen, Homosexualität, Familienkonstruktionen und Vielfalt zu bearbeiten. Es sind weitere Workshops für Lehrer_innen, Schüler_innen und Eltern, in der Schule geplant.

Nürtingen Grundschule

Anlässlich der Sexualpädagogischen Woche in der Nürtingen Grundschule führte das Team mit vier verschiedenen Schüler_innen-Gruppen aus sechs Klassen Workshops zum Thema Trans*, Homosexualität, Familienkonstruktionen und Geschlechterkonstruktionen durch. Mit der Schulstation und dem Sozialarbeiter der Schule werden weitere Kooperationen stattfinden.

E.O. Plauen Grundschule

Im Rahmen von Nachmittags-AGs werden im Mai mit Kindern der Schule queere Themen bearbeitet. In Kooperation mit der Sozialarbeiterin und der Integrationsbeauftragten der Schule, wurden Planungsgespräche für zukünftige Lehrer_innen-Fortbildungen durchgeführt. Die Fortbildungen sollen Lehrer_innen, spielerische und pädagogische Methoden vermittelt werden, die dem Intersektionalen Ansatz entsprechen. Diversity und queere Themen werden hier bearbeitet.



Modul 3: Zusammenarbeit mit Eltern

In der Zusammenarbeit mit Eltern findet eine enge Kooperation mit dem Internationalen Familienzentrum in der Waldemarstraße statt. Es gab schon mehrere Workshops und Treffen mit verschiedenen Gruppen aus dem Familienzentrum, die sehr erfolgreich verliefen und großen Zuspruch fanden.

Darüber hinaus gab es bzw. gibt es gemeinsame Veranstaltungen mit weiteren Gruppen wie z.B. den Stadtteilmüttern, dem Hippy-Projekt und der Schokofabrik.



Modul 4: Senior_innen-Arbeit

Für die Zusammenarbeit mit Senior_innen haben wir für schon diverse Maßnahmen durchgeführt:

Es fand eine Infoveranstaltung zum Thema „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz mit Schwerpunkt Alter“ im AWO-Begegnungszentrum statt. Für die Durchführung konnten wir Serdar Yazar vom Antidiskriminierungsnetzwerkes des TBB (ADNB des TBB) gewinnen. Gemeinsam mit einer Gruppe Senior_innen wurde die Dauerausstellung im Schwulen Museum am Mehringdamm besucht.

Im AWO-Begegnungszentrum haben wir zusammen mit Senior_innen gemeinsam einen Film geschaut, an einem Spiele-Nachmittag teilgenommen und gemeinsam iranisch gekocht.

Das Highlight der Kooperation zwischen «Gemeinsam für Akzeptanz» und den Senior_innen/Eltern, die sich in der AWO treffen, war ein ganztägiger Ausflug zum Oderbruch. Abgesehen davon, dass wir alle die schöne Landschaft genießen konnten, trug der Ausflug auch zum näheren, gegenseitigen Kennenlernen bei. Von vielen guten Gesprächen und einem gelungenen Tag schwärmten alle noch Wochen später.



Modul 5: Gewerbetreibende/Unternehmen

Für die Gewerbetreibenden und Kooperationspartner_innen im Gebiet sind Projekt-Stofftaschen gedruckt und im Rahmen einer Verteilaktion unter die Leute gebracht worden.



Aktionen im öffentlichen Raum:

Das Projektteam von «Gemeinsam für Akzeptanz» war beim My-Fest am 1. Mai 2010 und 2011 am Mariannenplatz anwesend. Wir haben fleißig Flyer verteilt und das Projekt im Gebiet bekannt gemacht. 2011 haben wir außerdem am Räuber & Gendarm – Parcour teilgenommen, bei welchen ca. 500 Kinder mitgemacht haben und durch ein themenbezogene Spiel einen Stempel in ihren Laufzettel bekommen haben. Bei erfolgreichem Ausfüllen des Laufzettels bekamen die Teilnehmer-innen ein T-Shirt vom Quartiersmanagement.

Beim Transgenialen CSD am Samstag, 26. Juni 2010 waren wir nicht nur mit einem Infostand von GLADT, sondern auch mit einem Redebeitrag zum Projekt präsent.

Auch ein Termin unseres monatlichen GLADT-Brunches stand im Zeichen von «Gemeinsam für Akzeptanz» und wir waren mit einem Stand beim Kreuzberger Südost36 Kiezfest im September 2010 anwesend.

Am 26. Mai 2011 findet von 14 – 20 Uhr die Einweihungsfeier des Familienzentrums in der Adalbertstr. 23a statt. Dort wird es von «Gemeinsam für Akzeptanz» Djing für Kinder, eine Leseecke und eine Pinnwand mit Infos über das Projekt geben.

Das Projekt wird beim Interkulturellen Umwelt- und Gesundheitsfestival am Oranienplatz am 19. Juni 2011 einen Stand haben.

Auch beim Senior_innenfest des AWO-Begegnungszentrums am 22. Juni 2011 werden wir mitfeiern und gemeinsam mit den anderen Gästen das Tanzbein schwingen.



 

Das Projekt ist Teil des Programms «Soziale Stadt» und wird gefördert durch:

 

EU-BRD MARIANNENPLATZ