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«Was geht mich das an?»
Rechtspopulismus stoppen!

Proteste erfolgreich: Rassistische Hetze beim Literaturfestival unerwünscht!

Nach der Absage durch das Haus der Kulturen der Welt (HWK) verzichtet auch das Internationale Literaturfestival Berlin auf eine Veranstaltung, bei der Thilo Sarrazin Werbung für seine rassistischen Thesen machen wollte. Der Veranstalter folgt damit einer öffentlichen Aufforderung des Migrationsrates Berlin-Brandenburg, unseres Dachverbandes.

GLADT hatte zuletzt im Aufruf zu den Protestveranstaltungen anlässlich der Präsentation von Sarrazins Machwerk an die eingeladenen Schriftsteller_innen aus aller Welt appelliert, gemeinsam mit uns «die zivilgesellschaftlichen Grenzen des Zumutbaren zu verteidigen».

 

Sarrazin ist unwichtig – die rassistische Gefahr nicht!

GLADT ruft zum Protest auf

Seit Tagen wird erneut in allen Medien über rassistische Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin berichtet – das Ziel eines ebenso eitlen wie primitiven Populisten und seines anscheinend von keinen ethischen Skrupeln geplagten Verlags, auf Kosten des friedlichen Zusammenlebens in diesem Land einen Sensationserfolg hinzulegen, scheint erreicht. Auch wenn das, was Bild und Spiegel aus dem Pamphlet Deutschland schafft sich ab vorveröffentlicht haben, so offensichtlich dumm und menschenverachtend ist, dass sich eine ernsthafte Diskussion der «Thesen» dieses aus Steuermitteln üppig alimentierten Hetzschreibers erübrigt: An einem solchen Punkt hilft es nicht, über die Aussagen eines «verwirrten Einzelnen» zu spekulieren, die dadurch vermeintlich erst aufgewertet werden.

Aber um Sarrazin als Person geht es auch gar nicht. Die Debatte über die Themen, die er nicht erfunden hat, sondern bloß gewinntüchtig zuspitzt, läuft schon viel länger und wird am Stammtisch wie im Feuilleton geführt. Er spricht damit einer Öffentlichkeit aus dem Herzen, die gern «Ausländer_innen», «Migrant_innen» oder «Muslim_innen» die Schuld für die sozialen Verwerfungen eines krisengeschüttelten Systems geben möchte, um sich das Nachdenken über die wirklichen Ursachen zu ersparen – eine Öffentlichkeit, die sich vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft erstreckt, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Wir haben in langjährigen Auseinandersetzungen erfahren müssen, dass der rassistische Reflex in der Mehrheitsgesellschaft bis tief in bürgerliche Schwulenorganisationen hinein wirksam ist, deren Funktionäre, wenn sie um Subventionen fürchten, auch schon einmal gern vor der drohenden «Überfremdung» deutscher Großstädte warnen, nicht anders als es der ehemalige Berliner Finanzsenator tut.

Umso wichtiger erscheint es uns, die zivilgesellschaftlichen Grenzen des Zumutbaren zu verteidigen. Wir unterstützen deshalb den unter www.mrbb.de veröffentlichten Protestbrief des Migrationsrats Berlin-Brandenburg, unseres Dachverbandes. Wie dieser begrüßen wir es zwar, dass sich das Haus der Kulturen der Welt (HKW) der Komplizenschaft mit dem Rassismus verweigert: Das «Internationale Literaturfestival Berlin» – ein auch aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und des Auswärtigen Amtes gefördertes Event – war nicht bereit, wie vom HKW gefordert, beim geplanten Auftritt mit Sarrazin eine angemessene Gegenrede zuzulassen, und zieht es vor, sich einen anderen Veranstaltungsort zu suchen. Aber Sarrazins pseudowissenschaftliche Beiträge zur «Rassenkunde» verdienen überhaupt keine aus öffentlichen Geldern bezahlte Werbung! Wir würden uns wünschen, dass sich die vom Literaturfestival eingeladenen echten Schriftsteller_innen vom Ungeist, der da jetzt offenbar auch hochkulturell diskursfähig gemacht werden soll, deutlich distanzieren. Insbesondere können wir uns nicht vorstellen, dass der für den Eröffnungsvortrag vorgesehene Suhrkamp-Autor und Nelly-Sachs-Preis-Träger Juan Goytisolo – einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der europäis chen Literatur, der sich darüber hinaus seit Jahrzehnten explizit gegen die westliche Islamfeindlichkeit engagiert – mit seinem guten Namen ein Forum für antimuslimischen Rassismus adeln will.

Auch im Haus der Bundespressekonferenz hat Sarrazin nichts zu suchen, zumal sein Verbleib im Bundesbank-Vorstand nach früheren Skandalen damit begründet wurde, dass er seinen Rassismus als Privatangelegenheit pflege – wieso soll er ihn also jetzt am Ort offizieller Verlautbarungen propagieren dürfen? Anlässlich der geplanten Präsentation des Machwerks rufen wir als Mitgliedsverein des Bündnisses «Rechtspopulismus stoppen» für Montag, den 30. August 2010, um 10.00 Uhr vor dem Haus der Bundespressekonferenz zum Protest auf (Aufruftext und weitere Informationen unter http://rechtspopulismusstoppen.blogsport.de).